Treuhandkommanditisten

Die weit überwiegende Zahl der Anleger der SHB Fonds dürfte sich als sogenannter mittelbarer Kommanditist beteiligt haben. Mittelbar deshalb, weil die Anleger nicht direkt und unmittelbar im Handelsregister eingetragen sind, wie Kommanditisten üblicherweise, sondern über Treuhandgesellschaften wie z.B. die Fidelitas Vermögensverwaltung Treuhand GmbH beigetreten sind.

Diese Fondskonstruktion ist die wahrscheinlich auf dem grauen Kapitalmarkt am weitesten Verbreitetste. Gegenüber der Fidelitas Vermögensverwaltung Treuhand GmbH hat bereits das Oberlandesgericht München einem Anleger des Altersvorsorgefonds Schadensersatzansprüche zugestanden. Denn nach ständiger Rechtsprechung des obersten deutschen Zivilgerichtes, des Bundesgerichtshofes (BGH), haften Gründungsgesellschafter einer Kommanditgesellschaft des grauen Kapitalmarktes auf Schadensersatz, wenn sie den später beitretenden Anlegern wesentliche Umstände der Kapitalanlage verschweigen oder falsch darstellen. Zu diesen Gründungsgesellschaftern fehlt die Treuhandkommanditistin.

Eignung als Altersvorsorgefond?

Das Oberlandesgericht München nahm insbesondere Anstoß an der Darstellung des Fonds als „Altersvorsorgefond“. Gerade zur Altersvorsorge ist der Fond aber nach der Ansicht der Oberlandesrichter gerade nicht geeignet, denn es besteht das Risiko, dass es zu teilweisem oder gänzlichen Verlust des vom Anleger eingesetzten Kapitals kommen kann und dieses Risiko durch die konzeptgemäße hohe Fremdfinanzierungsquote der geplanten Investitionen sogar noch erheblich erhöht wird. Dieser Charakter der Beteiligung als unternehmerische Beteiligung mit Totalverlustrisiko wird aber durch die plakative Bezeichnung als „Altersvorsorgefonds“ gerade verschleiert. Besonders kritisiert wird vom Oberlandesgericht auch, dass der streitgegenständliche Fond zwar suggeriert, dass er zum Zwecke der Altersvorsorge konzipiert ist, diesen Zweck aber gerade anhand der Risikoträchtigkeit nicht erfüllen kann.

Fazit: Haftung und Schadensersatzanspruch – Prospekt falsch oder fehlerhaft

„Die Haftung der Gründungsgesellschafter für fehlerhafte Prospektangaben oder fehlerhafter Angaben der Vermittler während der Beratungsgespräche steht inzwischen rechtlich auf gefestigten Füßen. Für die Anleger bestehen daher gute Chancen, einen Schadensersatzanspruch gegenüber den Gründungsgesellschaftern durchzusetzen. Da nach der Rechtsprechung des BGH aber auch eine Beratung mittels eines falschen Prospektes stets fehlerhaft ist, kommt hier eine Haftung gegen die Beratungsgesellschaften ebenfalls in Frage. Ob und welche Vertriebe oder Vertriebsgesellschaften hier noch in die Haftung genommen werden können, muss der jeweilige Anleger mit einem spezialisiertem Rechtsanwalt überprüfen“, meint der erfahrene Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke.